Interview mit Denzil Meyrick
Wie würden Sie Ihre Serie um DCI Jim Daley in nur drei Worten beschreiben?
Fesselnde schottische Krimis.
Was mögen Sie am meisten an dem Charakter Daley? Gibt es eine Figur in Ihrer Serie, die Ihnen schwer fällt zu schreiben?
Ich denke, ich bewundere Daleys Hingabe und Integrität. Er hat keine Angst, etwas zu riskieren, wenn es darum geht, einen Fall zu lösen. Obwohl er in seinem Privatleben mit Problemen zu kämpfen hat, lässt er seine Arbeit davon nicht beeinflussen.
Er ist der Typ, dem du vertraust, dass er dir den Rücken freihält; standhaft und loyal, aber nicht versessen auf Vorschriften oder Regeln. So oder so, er wird den Job erledigen.
Ich finde am schwierigsten, über Brian Scott zu schreiben, insofern als dass es seine Aufgabe ist, die Bücher mit seinem berühmten Sinn für Humor aufzulockern, was in starkem Kontrast zu den dunklen Seiten seines Charakters steht – zum Beispiel seinem Kampf mit dem Alkohol. Bei dieser Figur die richtige Balance zwischen Licht und Schatten zu finden, ist ein zentraler Bestandteil der Bücher.
Was macht Ihnen am meisten Spaß, wenn Sie mit der Arbeit an einem neuen Daley-Roman beginnen?
Es ist die Aussicht auf ein neues Abenteuer und die Gelegenheit, nicht nur einen weiteren Handlungsstrang ausarbeiten zu können, sondern auch die Möglichkeit, tiefer in das Leben der Charaktere in Daleys Revier Kintyre einzudringen. Wie wir alle, besitzt jeder Charakter überraschende Eigenschaften. Diese offenbaren sich oft erst nach und nach oder aber ganz plötzlich, wie bei John Donald in den früheren Daley-Romanen.
Letztendlich ist es die Freude, das Unerwartete zu erwarten – eine leere Leinwand vor sich zu haben – oder in diesem Fall Seite. Das Privileg, Daleys Welt zu bauen und Orte aufzusuchen, die der Leser vielleicht nicht erwartet hat.
Wussten Sie von Anfang an, wie sich die Geschichte entwickeln würde, oder hat sich das erst beim Schreiben der einzelnen Romane ergeben?
Als ich mit dem Schreiben des ersten Buches begann, hatte ich eine Idee, wie die nächsten beiden sich entwickeln würden. Obwohl jeder Roman eine eigenständige Geschichte ist, ziehen sich einige grundlegende Handlungsstränge durch alle hindurch.
Ich versuche immer, jedem Buch eine etwas andere Färbung zu geben: Bisher gab es ein traditionelles Verbrechen, einen Politthriller, einen Gangsterroman, einen Hauch von Horror in Daley vier und einen teilweise historischen Roman in Buch fünf. Ich denke, das hält mein Schreiben frisch, und ermöglicht dem Leser verschiedene Perspektiven auf das vertraute Charakterensemble.
Wer liest Ihre Manuskripte zuerst?
Meine Agentin Anne Williams liest immer meinen ersten Manuskriptentwurf. Sie hat als Lektorin und Verlegerin hier in Großbritannien gearbeitet und hat ein gutes Auge für Details und dafür, was in einem Kriminalroman funktioniert. Ich habe sehr viel Glück gehabt, dass ich von ihren weisen Ratschlägen und Ermutigungen von Beginn meiner Schriftstellerkarriere an profitieren konnte.
Wenn Sie Übersetzungen Ihrer Bücher sehen, sind Sie manchmal davon überrascht, wie, zum Beispiel, die Cover in anderen Ländern aussehen?
Es ist immer interessant Cover und Titel der übersetzten Ausgaben zu sehen. Ich denke, das deutsche Cover von Der Pate von Glasgow ist eines der besten von all meinen Verlagen. Ich freue mich immer besonders auf die Autoren-Exemplare der Daley-Romane von HarperCollins Germany. Sie sind einfach wundervoll.
Bestimmt werden Sie oft in Interviews das Gleiche gefragt. Welche Fragen können sie nicht mehr „lesen“ und welche Frage würden Sie gerne einmal beantworten?
Sehr gute Frage! Ich werde immer gefragt, ob die Charaktere in Kinloch echte Menschen aus Campbeltown sind, der Ort, der mir als Inspiration für meine fiktive Stadt in den Romanen diente. Natürlich ist die Antwort nein, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Leute das immer glauben. Ich wurde nie nach den Passagen gefragt, in denen ich einigen berühmten Schriftstellern Tribut zolle und in einigen Büchern versteckt habe. Ich frage mich, ob jemand sie gefunden hat? Ich gebe gerne einen Hinweis: zum Beispiel meinen kleinen Tribut an Marcel Proust in Tödliches Treibgut.